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Abstracts zu den Vorträgen am 17.11.2018 - 45. Kölner Island-Kolloquium

Dr. Heidrun Wirth (Bonn)
Performative Land-Art mit Margret Schopka in Island

Das Überzeitliche und das Augenblickliche sind in Island keine Antagonisten. Die Landschaft scheint zeitlos zu sein und kommt uns "ewig" vor und dennoch lassen sich die Spuren explosiver geologischer Veränderungen klarer ablesen als in den vegetationsreichen Waldregionen Europas. Die Künstlerin Margret Schopka will dieser im wahrsten Sinne des Wortes "erhabenen" Landschaft nichts hinzufügen und nichts wegnehmen, aber sie würdigt sie mit ihrer performativen Land-Art.
Als Künstlerin ordnet sie sich dieser Landschaft völlig unter und setzt doch deutliche kulturelle Spuren. Ob sie dunkle Vulkanasche auf Schnee oder weißes Mehl auf Vulkanasche aufbringt, das einsame Land wird in ein Feenreich verzaubert. Indem Margret Schopka das Spiel zwischen Ebbe und Flut um ihre gesiebte Ornamentik erweitert, betont sie die Schönheit der Landschaft , allerdings nur für den Kairos, den rechten Augenblick. Bald bekommt die Natur wieder die Überhand und das menschliche Tun ist nur noch Erinnerung.

Heidrun Wirth, geb. 1941 in Berlin, studierte für das Lehramt in München, später als Zweitstudium Pädagogik, Psychologie, Kunstgeschichte in Bonn mit Promotion 1975. Seit 1985 ist sie als freie Fachjournalistin für Bildende Kunst tätig mit regelmäßigen Veröffentlichungen u.a. in der Kölnischen Rundschau und der Bonner Rundschau.

Dr. Sigurjón Árni Eyjólfsson (Reykjavík)
Die Verkündigung der lutherischen Kirche in Island und die Säkularisation

Die Stellung der Kirche in Island hat sich verändert. Sie hat ihre Rolle als selbsternanntes Kontrollorgan innerhalb des Wohlfahrtssystems verloren und kann nicht mehr im Schutze ihres fürsorgerischen Ansatzes wirken. Sie nimmt keine Position mehr ein, wo sie sowohl Gesamtüberblick als auch Macht zum Kritisieren hat. Die Kirche ist in der Gesellschaft mit anderen Institutionen gleichgestellt. In der Debatte auf Island ist in der Folge des Bankencrashs die Forderung aufgekommen, dass man sich jetzt wieder den guten alten Werten zuwenden sollte. Und wenn man nachhakt, worin diese denn bestehen, geraten die Beteiligten ins Schwimmen. Einige verweisen auf die Tugenden: zuerst auf die allgemeinen wie Weisheit, Mäßigung, Mut und Gerechtigkeit, später dann die christlichen wie Glaube, Hoffnung und Liebe. Der Referent erläutert die Hintergründe dieser Entwicklung.

Dr. Sigurjón Árni Eyjólfsson, geboren 1957, studierte Theologie an der Universität Islands und legte 1984 das Staatsexamen ab. An der Christian-Albrechts- Universität in Kiel arbeitete er an seiner Dissertation und promovierte 1991. Es folgte eine weitere Promotion 2002 an der Theologischen Fakultät der Universität Islands. Er ist Gemeindepfarrer im Pfarramt Reykjavik Ost und hat einen Lehrauftrag an der Theologischen Fakultät der Universität Islands. Von ihm liegen zahlreiche Buchveröffentlichungen vor, u.a. Guðfræði Marteins Lúthers (Die Theologie Martins Luthers, 2002), Kristin siðfræði í sögu og samtíð (Christliche Ethik früher und heute, 2004) sowie Ríki og kirkja (Staat und Kirche 2006).

Prof. Dr. Trausti Valsson (Reykjavík)
Das Zusammenwirken der Entwicklung der Selbständigkeit Islands und der Hauptstadt Reykjavík

Aus der Sicht eines Planers wird geschildert wie die Schritte zur Selbständigkeit Islands und die Schritte in der Entwicklung Reykjavíks, als eine für öffentliche Funktionen fähige Stadt, sich gegenseitig beeinflusst haben. 1835 z.B. hatte Reykjavík nur 640 Einwohner und konnte keine Hauptstadtfunktionen von Kopenhagen übernehmen.
Allmählich wurden Institutionen in Reykjavik eingerichtet, z.B. das Parlament Althing und ein Gymnasium 1845. Der 1906 eröffnete Bibliotheks- und Musemsbau und die Kulturförderung des Parlaments bahnte den Weg für eine weitere selbständige kulturelle Entwicklung.
So wurde Reykjavik auch allmählich eine kulturelle Hauptstadt, die 1944 bereit war, Sitz einer Republik mit eigenem Staatsoberhaupt zu werden. 

Trausti Valsson, geb. 1946, studierte Architektur und Stadtplanung an der TU Berlin und arbeitete danach im Stadtbau und Entwicklungsamt von Reykjavík. 1987 promovierte er an der University of California in Berkeley, 1988 erhielt er eine Teilzeit-Berufung an die Universität Islands und 2000 die erste Professur für Planung dort. Er hat viele Aufsätze und Bücher veröffentllicht.

Eberhard Kandler (Frechen)
Wanderungen in den Westfjorden (mit Film)

Hornstrandir liegt am nordwestlichsten Zipfel Islands. Das Gebiet zählt zu den letzten unberührten Naturlandschaften Europas. Die Bewohner der Region lebten über Jahrhunderte vom Fischfang, vor allem vom Hering, der aber in der Mitte des letzten Jahrhunderts verschwand. Die letzten Siedler verließen 1952 Hornstrandir. In den 70er Jahren wurde das Gebiet unter Naturschutz gestellt. Hornstrandir erreicht man am besten von Isafjördur aus mit dem Boot.
Das Video wurde vor 21 Jahren gedreht. Damals fuhr das Fährschiff "Fagranes" in Richtung Adalvik und weiter bis nach Hornvik - heute fährt ein Schnellboot zur ehemaligen Siedlung Hesteyri.

Eberhard Kandler, geb. 1941 in Schlesien, lebt seit 1946 im Rheinland. Nach einer Verwaltungslehre besucht er das Abendgymnasiums in Neuss und studiert schließlich an der Pädagogischen Hochschule in Bonn. Zunächst arbeitete er als Grundschullehrer in Siegburg, ab 1981 als Schulleiter in Troisdorf bis zu seiner Pensionierung 2005.